Sonntag, leider kein Clubprogramm im Hallenbad!!



Flusstauchen im Tessin, August 2012 (von Ralph)
 

Flusstauchen: einmal Verzasca hoch … und wieder runter!

Es ist früh. Sehr früh. Als wir uns am 15. August, morgens um halb fünf auf den Weg machen. Ziel: Tessin, Verzasca-Fluss.  Der Anhänger randvoll mit allen Flaschen, die wir zur Verfügung haben. Alle frisch gefüllt, im „Wänsche“ geparkt und dann noch daneben ordentlich „angeseilt“ kann es los gehen.
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Gezogen werden wir von einem VW-Bus in dem wir Neune genügend Platz haben. Stefan und Monika fuhren mit Ihrem eigenen PKW. Durch Frankreich durch, an Basel vorbei und über den Gotthard-Pass sind wir einige Stunden später schon im Tessin und treffen uns mit Kucki und Mike an der Staumauer der Verzasca.
 
Schon den gierigen Blick nach glasklarem Flusswasser in den Augen, machen wir uns auf zum ersten Tauchplatz einige Kilometer oberhalb des Stausees, das Amslerbecken. Das wird kein Spaziergang da runter, stellen wir fest, als wir uns das mit zum Teil riesigen Stein- blöcken übersäte und steile Ufer anschauen. Schön glattgeschliffen sind die, von der unbändigen Macht des Wassers, das gnadenlos Geröll und Blöcke mit sich schleppt. … zum Glück ist die Schneeschmelze vorbei und das Wasser schlängelt sich so zwischen den Blöcken dahin. Fast schon gemütlich. Scheint es zumindest.
Jetzt ist „Puckeln“ angesagt. Die Ausrüstung muss da runter, egal wie! Also, zwei dreimal laufen und sich gegenseitig helfen. Relativ flott sind wir dann in unseren Anzügen und auch schon im Wasser: Kurs gegen die Strömung. Und in einem etwa 20 Minuten entfernten Abfluss eines darüber liegenden Beckens, lassen wir uns wechselseitig von den herunterstürzenden Wassermassen durchwirbeln, bis wir den Rückweg antreten. Wie im Gleitflug trägt uns der Fluss – gut austariert – bis zu unserem Einstieg. An mittleren und großen Blöcken vorbei in Tiefen bis 8,5 Meter bis uns Sicherheitsmarkierungen und ein Fangseil signalisieren: hier musst Du raus! Jetzt kommt‘s zu dem sportlichen Teil beim Tauchen :o) - Schleppen, und zwar nach oben.  Und es sollte nicht das letzte Mal sein!!!
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Es wurde Abend, es wurde Morgen, nächster Tag. 16. August und es schüttet wie aus Eimern, der Himmel ist verhangen und kein helles Licht in Sicht.
 
Na Mahlzeit, das kann ja noch was geben. Wurde es auch! Nach einem ausgedehnten Frühstück riss der Himmel auf und die Sonne blitze kurz hindurch. Für uns das Zeichen zum Aufbruch. Anhänger ran, Leute ins Auto und schon sind wir auf der Piste Richtung Valle Maggia.
 
Gähnende Leere erwartete uns am Tauchplatz, keine weiteren Taucher vor Ort. Das was schon mal prima, hier am Gola del Lupo und später am Ponte Brolla Strand. Also gleiches Procedere: Klamotten zusammenpacken und … na, ihr wisst schon: schleppen! Auch wieder zwei, dreimal hoch und runter und da der Untergrund etwas feucht ist, legt sich der eine oder andere an einer glitschigen Stelle auch hin. Das war ganz schön heftig, nicht war Olli? Einige Blessuren werden ihn noch an diesen Abstieg erinnern. Dennoch wird nicht nur er durch den Tauchgang vielfach entschädigt: durch langgezogene, glatt ausgewaschene Becken tauchen, über Stock und Stein kriechen – von Becken zu Becken – um dann in ein tiefes Loch mit ca. 18 Metern abzusinken.
 
 
Er ist nicht auf Anhieb von unten zu sehen, der Übergang von dem tiefen Becken in ein darüber gelagertes. Kucki weist uns drauf hin und nacheinander sind wir über die kleine Stromschnelle in einem fast kochenden Kessel. Nicht die Temperatur ist es, nein, das aufpeitschende Wasser, das von oben in den Kessel schießt ist es. In etwa einem Meter Tiefe reißt die Macht des Wassers jeden von uns herum, schüttelt und dreht uns, bis wir wieder „ausgespuckt“ werden aus der Waschmaschine. "Gegen ankämpfen?"...  fragt einer … keine Chance, da kannst du dich nur „beugen“ vor der Macht – allerdings auch „verbeugen“ vor der Schönheit der Natur!
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Der nächste Tag, Freitag, führt uns zum Bergsee in etwa 2100 m Höhe, zum unteren Narret. Allein die Anfahrt hatte schon was – mal abgesehen von den serpentinenartigen Straßen, die dem einen oder anderen etwas zu schaffen machen. Oben angekommen, brauchen wir diesmal keine 10 oder 12 Höhenmeter steiles Ufer überwinden. Es geht gemäßigt ins Wasser, wenn auch nicht ungefährlich, da die Steinblöcke, kleine wie größere, rutschig sind. Alles gut! Und wir starten in mehreren Gruppen. Bei einer Temperatur von etwa 6 Grad wird’s dann in über 20 Meter Tiefe schon richtig schattig.
 
 
Durch dunkle Sedimente nimmt auch das Licht sehr schnell ab, je tiefer wir kommen. Ohne Lampe wäre das an diesem Tauchplatz nichts. Aber auch hier sind Zeitzeugen gewaltiger Macht der Natur zu finden, die uns in Staunen versetzen. Stellen wir uns vor, wie während der Schneeschmelze die Wassermassen aus dem Bergmassiv in die Tiefe rauschen, durch das Becken des Bergsees und am anderen Ende wieder über einen Lauf den Berg hinunter.
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Der letzte Tag bricht an, Samstag. Auch der Tag unserer Abreise. Aber nicht, ohne einen letzten Tauchgang in der Verzasca gemacht zu haben. Etwas höher, als der erste Tauchgang, treffen wir am Tauchplatz Posse 2 auf glasklares Wasser und eine etwas intensivere Strömung.
 
Mit Markierungen und Sicherungsleine versehen, verlassen wir den Einstieg gegen die Strömung, von Strömungsschatten zu Strömungsschatten „springend“, bis zu dem oberen Topf, der aus dem Becken darüber gefüllt wird: wieder „Waschmaschine“… eine Rolle folgt auf der anderen … Durchschütteln … und ausgespuckt werden. Dann geruhsam zurück zum Einstieg. Abrüsten, rauftragen, verstauen und mit einem doch wehmütigen Blick die ca. 20 Meter hinunter zum Einstieg verlassen wir den Tauchplatz. Gleich gegenüber sitzen wir dann noch eine Stunde im Restaurant, essen gemeinsam, tauschen uns aus und fachsimpeln, bis wir die Heimreise antreten. Und weitere 7 Stunden später sind wir dann zu Hause. Es wurde Abend, es wurde Morgen, Sonntag mit Schwimmbadprogramm …